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Hutschis Sonettkochbuch – Sonett, verfeinert und wohlgereimt


Hutschis Sonettkochbuch

3. Sonett, verfeinert und wohlgereimt

Zutaten:

  • für die Verse: jeweils 5 Jamben im Vers mit männlicher oder weiblicher Kadenz
  • für die Quartette: jeweils vier Verse mit zweimal zwei Reimen, Reime im ersten und zweiten Quartett sind gleich
  • für die Terzette: jeweils drei Verse mit dreimal zwei Reimen

Reimform: abba abba cdc cdc

Die Reimstruktur im klassischen Sonett
ist strenger, als im Grundrezept beschrieben,
man setzt da nicht die Reime nach Belieben,
das zweite gleicht dem führenden Quartett,

es wäre schön, wenn man stets Reime hätt’,
hat man genügend Reime aufgetrieben,
muss man sie an die rechte Stelle schieben,
man glättet sie auf einem Bügelbrett.

Die letzten beiden Strophen scheinen leicht,
sie fließen fast von selbst dir aus der Feder,
wenn man sie mit dem ersten Vers vergleicht.

Sonetteschreiben, scheint es, das kann jeder,
jedoch: bevor man hier sein Ziel erreicht,
braucht man für Pergament gehörig Leder.

Hutschis Sonettkochbuch – Grundrezepte


Hutschis Sonettkochbuch
2. Grundrezept für ein Alexandrinersonett

Zutaten:

  • für die Verse: jeweils 6 Jamben im Vers mit männlicher oder weiblicher Kadenz, Mittelzäsur in den Versen
  • für die Quartette: jeweils vier Verse mit zweimal zwei Reimen
  • für die Terzette: jeweils drei Verse mit dreimal zwei Reimen

Reimform: abba cddc efe fef

Gedichtet wird hierbei nach einem neuen Plan:
der Jamben sind jetzt sechs, und darum setze stur
genau im Zentrum drin pedantisch ‘ne Zäsur,
und mach so jeden Vers zu deinem Untertan.

Die erste Strophe ist – wie immer – ein Quartett,
du rangst gleich mit der Form am Ende nächtelang,
auf dass der Außenreim den Mittelreim umschlang,
die zweite Strophe wird dabei genauso nett.

Dann füge als Terzett die dritte Strophe ein,
wobei der Außenreim den Mittelvers umschlingt
auch hier muss die Zensur stets in der Mitte sein.

Die vierte Stophe ist, durch diese Form bedingt,
genauso aufgebaut, der Reim gehört hinein,
auf dass der gleiche Reim gemächlich weiterschwingt.

Hutschis Sonettkochbuch – Grundrezepte


Hutschis Sonettkochbuch

1. Grundrezept für ein deutsches Sonett

Zutaten:

  • für die Verse: jeweils 5 Jamben im Vers mit männlicher oder weiblicher Kadenz
  • für die Quartette: jeweils vier Verse mit zweimal zwei Reimen
  • Für die Terzette: jeweils drei Verse mit dreimal zwei Reimen

Reimform: abba cddc efe fef

Das Grundrezept für das Sonett ist leicht:
Jeweils fünf Jamben bilden vierzehn Zeilen,
man muss sie nur geeignet unterteilen,
dass das Gedicht vier Strophen bald erreicht.

Die erste Strophe bildet ein Quartett,
und hast du mit der Form genug gerungen,
dann ist der Mittelreim geschickt umschlungen,
man wiederholt das für die zweite ganz adrett.

Terzette sind die letzten beiden Strophen,
da wechseln sich die Reime ständig ab.
„Das geht auch besser!“, meinen Philosophen

zu deinem Werke, und sie halten dich in Trab,
und so erneuerst du noch mal die doofen
Gebilde, aber mach dabei nicht schlapp.