Archiv der Kategorie: Sonett von Shakespeare

Shakespeare — Rap 23 — Sonnet 23


Rap 23

Als ein nichtperfekter Held, der auf die Weltbühne geht,
nur aus Furcht vor seiner Rolle eben neben sich steht,
der die Kleinigkeiten aufbauscht, wenn ihn rauschend Wut bewegt,
dessen Stärke seine Fülle schwächt, die er im Herzen trägt,
so vergaß ich aus Angst vor Vertrauen zu beginnen,
dir die Spiele zu bieten, Riten, die die Liebe uns gewinnen.
In mir selbst scheint schon die Stärke meiner Liebe zu verwehen,
denn ich stehe überladen von all meinem Liebesflehen.
O, lasse meine Bücher mir Beredsamkeit geben;
also raus mit der Vorausschau auf mein weiteres Leben,
denn der, wer um Liebe fleht, jedoch Vergeltung sucht,
der hat das falsche Ticket für sein Glück gebucht.
Ach, lerne mal den Text zu lesen, der dir Liebe gibt,
und mit den Augen hören, ist die Kunst mit der man liebt.

(Deutsch von Hutschi)

SONNET 23

As an unperfect actor on the stage,
Who with his fear is put besides his part,
Or some fierce thing replete with too much rage,
Whose strength’s abundance weakens his own heart;
So I, for fear of trust, forget to say
The perfect ceremony of love’s rite,
And in mine own love’s strength seem to decay,
O’ercharg’d with burden of mine own love’s might.
O let my books be then the eloquence
And dumb presagers of my speaking breast,
Who plead for love and look for recompense
More than that tongue that more hath more express’d.
O, learn to read what silent love hath writ:
To hear with eyes belongs to love’s fine wit.

Source: http://www.shakespeare-online.com/sonnets/23.html

William Shakespeare, Sonett 71 — Sonnet 71


SONETT 71

Lass doch das Trauern, wenn ich von dir ging,
wenn dann die Glocke finster, freudlos schlägt,
zu zeigen, dass mich eine Welt empfing,
wo nichts als übelstes Gewürm sich regt.
Ach ja, wenn du das liest, denk nicht daran,
dass ich das schrieb, ich liebe dich ja so,
ich wünsche mir aus tiefstem Herzen sehr,
dass Du vergisst. Dann wärst du wieder froh.
O, liest du irgendwann mal mein Gedicht,
wenn ich zu Staub und Schmutz zerfallen bin,
erinn’re dich an meinen Namen nicht,
die Liebe, wie mein Leben, sei dahin.
Lass kluge Leute deinen Gram nicht sehn
und deiner spotten, muss ich einmal gehn.

Deutsch: Hutschi

SONNET 71

No longer mourn for me when I am dead
Then you shall hear the surly sullen bell
Give warning to the world that I am fled
From this vile world, with vilest worms to dwell:
Nay, if you read this line, remember not
The hand that writ it; for I love you so
That I in your sweet thoughts would be forgot
If thinking on me then should make you woe.
O, if, I say, you look upon this verse
When I perhaps compounded am with clay,
Do not so much as my poor name rehearse.
But let your love even with my life decay,
Lest the wise world should look into your moan
And mock you with me after I am gone.

 Quelle: http://www.shakespeare-online.com/sonnets/71detail.html

Shakespeare Sonett 4 (eigene Übersetzung)


Was reichst du deiner Schönheit Überschwang
nur dir allein verschwenderisch zum Lohn?
Natur schenkt nichts auf Dauer, freiem Drang
leiht sie zu Zeiten Platz auf ihrem Thron.
Was, Schönling Geizhals, schmähst du ihrer Gunst
Geschenk zu spenden, das sie dir verehrt?
Was, armer Wucherer, übst du die Kunst,
mit der trotz Fülle sich das Leben leert?
Hast du alleine mit dir selbst Verkehr,
wird dir vom süßen Selbst nichts als Betrug,
wenn die Natur dich ruft, was zeigst du her
beim letzten Gang? Sag, wäre es genug?
Wird ungenutzte Pracht mit dir begraben,
so wird kein Erbe sein, sich dran zu laben.

Sonett 18 (Shakespeare)


Übersetzt nach „Shakespeare Online“

William Shakespeare
Sonett 18

Vergleiche ich dich einem Sommertag?
Du bist viel lieblicher und nicht so wild:
wenn Wind des Maien Knospen stürmen mag,
borgt dir der Sommer allzukurz sein Bild:
Das Himmelsauge scheint manchmal zu heiß,
und oft ist auch sein Goldgesicht versteckt,
was man auch sieht, es unterliegt Verschleiß —
durch Zufall, oder weil Natur sich reckt.
In dir soll nie die Sommerzeit vergehn,
soll nie die Schönheit enden, die du trägst,
soll nie der Tod nur prahlend Beute sehn,
wenn du dich endlos in die Zeit bewegst.
Solang man atmen oder sehen kann,
bleibt das bestehn und trägt dir Leben an.